Die Botin des Himmels
Die Medaille der Unbefleckten: Ein Licht für die Welt
„Ich danke dir, Vater, dass du dies den Weisen und Klugen verborgen, den Kleinen und Demütigen aber geoffenbart hast“, sagt Jesus. „Das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott“ (1 Kor 1,27).
Quer durch die Bibel können wir diese Wahl Gottes an vielen Beispielen feststellen.
Maria wusste um dieses Tun Gottes, wenn sie singt: „Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.“
Bei den Erscheinungen von 1830 gibt es weder Wunder noch Geheimnisse, Maria hinterlässt nur ein bleibendes Zeichen, mit dem sie uns vertraut zu machen sucht. Mit ihrer Medaille will Maria uns helfen, uns auf dieses Abenteuer mit Gott einzulassen, der sich den reinen und demütigen Herzen mitteilt.
Diese wenigen pastoralen Spuren sind Zugänge; sie erheben nicht den Anspruch, die Bedeutung dieser Medaille, die Maria uns gegeben hat, erschöpfend erklären zu können. Zuerst wollen wir uns bei diesem, fast unwahrscheinlich scheinenden, Gegensatz zwischen der Größe unseres Planeten und dem kleinen, von Maria hinterlassenen Zeichen aufhalten. Danach werden wir dieses „Zeichen des Himmels“ im Lichte der Schriften analysieren. Dann wollen wir sehen, wie das Zeichen der Medaille uns in den Geist der Seligpreisungen einführt, und schlussendlich lassen wir das Wort „Lass nach diesem Muster eine Medaille prägen“ in unserem Herzen nachwirken.
Eine so kleine medaille in einem so grosse universum!
Menschlich gesehen, sind die Herausforderungen unserer Gesellschaft derart groß und vielschichtig, dass wir mutlos werden und am Menschen verzweifeln könnten. Mit dem Zeichen der Medaille, geschenkt in einer von Erschütterungen heimgesuchten Periode der Geschichte, will Maria uns sagen, dass Gott immer mit uns ist, was immer wir auch durchstehen. Er lebt mitten in der Welt, um sie zu verwandeln. Er bleibt Herr der Geschichte.
Er legt Samenkörner in unsere Hände, die nicht aufhören, auf Erden Früchte zu tragen und sie bewohnbarer zu machen. Die Soziallehre der Kirche hat nicht nur ein bloßes Rezept zur Verbesserung der Beziehungen unter den Menschen und zur Umgestaltung der Erdeherausgegeben. Sie lädt die Menschen ein, mit dem Herzen mit Gott Kontakt aufzunehmen.
Jesus ist gekommen, um sich selber und sein Leben hinzugeben, es mit den Milliarden Menschen, die heute unsere Erde bevölkern, zu teilen und sich von ihm verwandeln zu lassen. Als Schwester Katharina bei der Erscheinung vom 27. November ihren Blick auf Maria heftet, sieht sie eine von der Gnade verklärte Frau, die durchlässig ist für das Geschenk, das sie empfangen hat und das sie mit unserer Welt teilt: „Jesus, den Erlöser, den sie empfangen hat durch das Wirken des Heiligen Geistes“.
Die gute Nachricht von dieser Erscheinung ist, dass sie uns wiederholt, dass das Menschengeschlecht nicht auf seine Armseligkeit oder seinen Hochmut reduziert ist. Es trägt einen verborgenen Schatz in sich: das Leben aus dem Heiligen Geist. Die kleine, unscheinbare Medaille erinnert uns, dass Gott das wahre Maß des Menschen ist. Der Heilige Geist sagt dem Menschen, was er wirklich ist.
Ein zeichen des himmels, das im licht evangelien zu entziffern ist
Lassen wir zuerst den Bericht über die Hochzeit zu Kana in uns nachklingen (Joh 2,1-11), um die Medaille im Lichte dieses Evangeliums zum „Klingen“ zu bringen. Im Evangelium des heiligen Johannes ist Kana der Beginn der Zeichen, durch die Jesus „seine Herrlichkeit offenbart“. Und der Evangelist stellt die „Mutter Jesu“ in den Mittelpunkt dieses Berichtes. Sie ist es, die aufmerksam macht, und aufgrund ihrer Worte tut man, was Jesus sagt. Das Wunder, die Offenbarung der Herrlichkeit Christi, nimmt den Weg über seine Mutter.
In dieser Begebenheit ist es Maria, die die Situation erfasst und die Dinge im Detail sieht. Sie wirft einen Blick auf die Szenerie und erkennt, dass etwas Notwendiges fehlt. Dank ihrer Beobachtungsgabe erspürt sie, was fehlt. Sie versteht die Situation sofort, nicht um zu beschuldigen oder um sich zu beklagen, sie leidet darunter und sie will Liebe üben. Maria begnügt sich nicht mit der Feststellung, dass etwas fehlt. Ihre aufmerksame und diskrete Verfügbarkeit lässt sie ganz einfach zu Jesus sagen: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Nur sie allein sagt es.
Trotz der mysteriösen und zurückhaltenden Antwort Jesu bringt Maria die Männer mit ihrem Sohn in Kontakt: „Was er euch sagt, das tut.“
Als Jesus eingreift, gibt er nicht nur guten Wein, sondern er gibt ihn reichlich. Zur quantitativen Überfülle gesellt sich ein qualitatives Mehr: dieser Wein ist noch besser als der frühere! Lässt das nicht an die Überfülle des Lebens denken, das Jesus schenkt, an die Freigebigkeit Gottes? Gott gibt ohne Maß: „Die Gnaden werden reichlich sein für alle, die sie mit Vertrauen tragen werden“, sagt Maria zu Schwester Katharina.
Am Schluss des Berichtes schreibt der heilige Johannes: „So tat Jesus sein erstes Zeichen und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.“ Anders als bei den übrigen Wunderberichten, bei denen die Menge in Staunen gerät, spricht man hier nicht von den Leuten; es ist, als hätten sie nichts bemerkt. Nur die kleine Gruppe der Jünger glaubt an ihn. Aus Jüngern werden Glaubende. Ist nicht diese Verwandlung der Jünger das wahre Wunder, das die Herrlichkeit Jesu offenbart?
Das Zeichen von Kana und das von Kalvaria
Wenn der heilige Johannes sagt, dass „das erste Zeichen“ in Kana gewirkt wurde, ist es nicht deshalb, weil diese Hochzeit ein Zeichen für eine andere Hochzeit ist: die letzte, die Jesus mit der Menschheit in seinem Blut am Kreuz besiegeln wird?
„Am dritten Tag fand in Kana eine Hochzeit statt…“ Kana ist der Anfang der Zeichen, dort „offenbart er seine Herrlichkeit“, aber es ist auch die Ankündigung des einzigen schicksalhaften „dritten Tages“, des Ostertages. Wenn Kana ein Anfang ist, dann ist die Passion das Ende: „Er liebte sie bis ans Ende.“ Der Kreuzweg endet am Beginn der Kirche. Am Kreuz wird die Kirche geboren; die „Jünger“ werden, erfüllt vom Wein des Geistes, zur ersten Kirche.
Im Johannesevangelium sind Kana und Kalvaria die beiden einzigen Orte, wo von der „Mutter Jesu“ die Rede ist. Sonst wird sie nie erwähnt. Kana und Kalvaria sind eng miteinander verflochten. Beide Male wird Maria dort „Mutter Jesu“ genannt. In Kana wartet sie auf den Wein des Reiches Gottes und Jesus setzt ein Zeichen. Am Kreuz, als das Zeichen Wirklichkeit wird, wird die Mutter Jesu als „Mutter jedes Jüngers“, als Mutter der Kirche eingesetzt.
Das Zeichen der Medaille
Warum hat Maria uns ein Zeichen hinterlassen? Wovon wollte sie uns ein Zeichen geben? Will uns die „Mutter jedes Jüngers“ durch dieses Zeichen nicht hinführen zu dem, was wir nicht sehen? So wie Maria die Diener bei der Hochzeit zu Kana vorbereitet hat, auf Jesu Wort zu hören, so gibt sie uns heute ein Zeichen, damit wir unseren Weg des Glaubens und des Vertrauens weitergehen. Dadurch, dass Maria uns ihre Medaille anvertraut, führt sie uns auf den Weg des Glaubens, damit wir wahre „Jünger Jesu“ werden.
Wenn die Worte des kurzen Gebetes „O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir unsere Zuflucht zu dir nehmen“ auf unsere Lippen kommen, bitten wir Maria um ihre Fürsprache, damit wir immer mehr zu „Jüngern werden, die an ihn glauben“. Wie in Kana sagt uns Maria, was es heißt, ein Glaubender zu sein: alles tun, was Gott uns sagt, uns öffnen, um bedingungslos verfügbar zu sein.
Die erste Jüngerin, die geglaubt hat
Wie in Kana nimmt Maria in der Symbolik der Medaille einen besonderen Platz ein. Die Medaille lenkt unseren Blick über die Person Marias hin auf Gott. Sie steht nicht neben Gott, sondern vor ihm, nicht um ihn zu verdecken, sondern um ihn in einem menschlichen, fraulichen, mütterlichen Licht erscheinen zu lassen. Für Leonardo Boff ist „Maria der Ort, an dem Gott sein weibliches Gesicht zeigt“.
Wenn wir die Medaille betrachten, spüren wir den wohlwollenden Blick Marias auf die gesamte Kirche und die Welt. Sie nimmt die unausgesprochenen Leiden unserer Welt wahr und bittet für uns und in unserem Namen: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Wir können Maria, die Magd des Herrn, auch in Verbindung mit Gott und den Menschen betrachten. Wenn sie zu den Dienern sagt: „Was er euch sagt, das tut“, sind ihre Worte dann nicht wie ein Widerhall jener, die der Pharao während der Zeit des Hungers in Ägypten gesprochen hat: „Geht zu Josef! Tut, was er euch sagt. Als die Hungersnot über das ganze Land gekommen war, öffnete Josef alle Speicher und verkaufte Getreide!“ (Gen 41,55-56)? Sie hilft uns, uns vom Lichte Gottes einhüllen zu lassen. Sind die leuchtenden Strahlen, die so verschwenderisch aus Marias Händen hervorbrechen, nicht Zeichen für den „guten Wein“, den Jesus uns geben will, für die Strahlkraft der Gaben seines Geistes?
Maria, Lehrmeisterin unseres geistlichen Lebens
In Maria finden wir eines der Geheimnisse unseres Lebens als Christen. Sie lehrt uns, auf Christus zu schauen. Wie in Kana erlangt sie uns:
- die Gnade des Gebetes, um das Wort Gottes in unserem Herzen zu erwägen, um alle Ereignisse unseres Lebens in seinem Licht zu vertiefen, um Gott für seine Wunder zu loben;
- die Gnade, hellhörig zu sein für den Notruf unserer Brüder, zu verstehen, was sie berührt und uns ihrer Lage bewusst zu werden;
- die Gnade der Demut, um nicht nur unsere Unvollkommenheiten zu erkennen, die uns hindern, „guten Wein“ und die Gaben Gottes zu geben, die die Freude hervorbringen;
- die Gnade des Glaubens, um ganz auf Christus vertrauen zu können;
- die Gnade des Geistes des Dienens und der Liebe, um gemeinsam mit den andern eine gerechtere und brüderlichere Welt aufzubauen.
Die Medaille der unbefleckten, ein zeichen, das hilft, in den geist der seligpreisungen enzudringen
Maria spricht im Evangelium nur wenig, aber sie hat uns Jesus, das Wort, geschenkt: Ihr einziger Wunsch ist, uns zum Wesentlichen des Evangeliums hinzuführen. Das Wort Gottes und die Medaille liebevoll anschauen, ist im Grunde dasselbe. Die Medaille regt uns ob ihrer reichen Symbolik an, das Geheimnis der Liebe Gottes zu den Menschen zu betrachten. Wir sind eingeladen, die Medaille so anzunehmen, wie die Hirten die Verkündigung der Geburt Jesu aufgenommen haben. Sie zucken vor dem Jesuskind nicht mit den Schultern, siediskutieren nicht, sondern öffnen ihm ihr Herz. Wenn wir bei einigen Kennzeichen der Medaille stehen bleiben, können wir in den Geist der Seligpreisungen eindringen, der uns unter anderem von der Demut Gottes, von der Überlassung an die Vorsehung und vom Geist der Betrachtung spricht.
Selig, die arm sind vor Gott; ihnen gehört das Himmelreich! (Mt 5,3)
Während wir so oft versucht sind, uns an den mächtigen und siegreichen Gott zu wenden, lädt Maria uns durch die einfache Medaille ein, uns zur Demut Gottes zu bekehren. Gott hat Fleisch angenommen, um mit uns zu sein; eines Tages wird er der Gekreuzigte mit dem durchbohrten Herzen sein, der sein Leben für uns hingibt. Jesus hat das Bild von der menschlichen Größe umgekehrt. Gott bleibt Mensch bis zum Tod am Kreuz; er offenbart die wahre Größe und die wirkliche Macht. Die Herrlichkeit der Auferstehung hat nichts zu tun mit unseren schrillen Herrlichkeiten.
Die Medaille zeigt, wie Gott handelt, wenn er zu uns kommt. Es geschieht immer durch armselige und unvorhergesehene Mittel: eine Grotte, ein Eselsfüllen, auf das er steigt, ein Kreuz, das den Sklaven vorbehalten war… Um die ganze Reichweite der Botschaft der Medaille zu verstehen, müssen wir unseren Dünkel aufgeben und uns mit dem Geist der Demut bekleiden. Auch heute noch zeigt sich Gott in der Schwachheit, in der Armut, in der Verborgenheit. Er will, dass wir lernen, die Zeichen Gottes zu entziffern. Kardinal Newman sagte: „Als Jesus in die Welt kam, hat er kein Aufsehen erregt, keinen Lärm gemacht, nicht seine Stimme erhoben… Auch heute macht er es noch so: er spricht mit leiser Stimme, seine Zeichen sind diskret…“
Selig jene, die Vertrauen haben, sie werden gerettet werden
„Die Gnaden werden über alle ausgegossen, die sie mit Vertrauen tragen.“
Durch diese kurze Verheißung verpflichtet sich Maria, unser Vertrauen in Gott zu wecken, es neu zu entfachen oder zu vergrößern. Darum erreicht die Medaille ihren Zweck nur, wenn sie unser Herz mit Vertrauen erfüllt.
Im Gegensatz zur Angst vor den anderen, die uns überkommen und unsere menschlichen Beziehungen untergraben kann, schenkt Gott uns Vertrauen, er steht uns bei, er hat ein so großes Vertrauen in uns, dass er sein Liebstes, seinen einzigen Sohn, in unsere Hände gibt. Um unsere misstrauischen und furchtsamen Herzen zu heilen, kommt Jesus nicht in Macht, sondern in Liebe. Er bringt uns die Barmherzigkeit des Vaters, seine Menschenfreundlichkeit, seine Güte und seine Geduld. Er lehrt uns, dem Vater zu vertrauen wie er. Maria ist an unserer Seite, um uns zu helfen, dieses Vertrauen des Sohnes in den Vater zu verstehen und uns darauf einzulassen. Mit Maria werden wir uns bewusst, dass es nicht natürlich ist, Vertrauen zu schenken, sondern dass es ein Geschenk Gottes ist. „Herr, wir glauben“, aber „stärke unseren Glauben“ (Lk 17,5), um in der Gewissheit zu leben, dass Gott für uns Vorsehung ist.
Jesus fragt Bartimäus, ob er weiß, dass Gott gut und fürsorglich ist, dass er ihm in seiner Situation und nach dem Maß seines Vertrauens helfen kann. Er sagt zu ihm: „Geh, dein Glaube hat dir geholfen“ (Mk 10,52). Bitten auch wir Gott mit demselben Vertrauen wie Bartimäus um die Gnade, gut zu leben, was er von uns verlangt.
Selig, die ein reines Herz haben; sie werden Gott schauen (Mt 5,8)
Die beiden Seiten der Medaille sind mehr als eine Erklärung. Sie sind ein anschauliches Zeichen, das uns einführt in das Geheimnis Marias. Wir müssen „die Medaille umdrehen“, um die Tiefe des Herzens der Unbefleckten zu verstehen, das so eng mit dem Herzen Jesu verbunden ist. Richtet Maria durch diese Symbolik nicht auch indirekt die Botschaft an uns, dass jeder Mensch nach Gottes Abbild geschaffen ist? Die Würde des Menschen ist ein wunderbares Geschenk, das vom Blick der Liebe kommt, den Gott auf Jesus und auf jeden von uns richtet. Aber dieses Geschenk wird erst Wirk lichkeit, wenn es der Mensch aus freien Stücken annimmt. Anders gesagt: Erinnert uns Maria nicht an die Wichtigkeit, Gott um eine kontemplative Haltung zu bitten, damit auch wir „die Medaille umdrehen“ können? Denn nur der Blick des Glaubens hilft uns, hinter den Anschein zu sehen, um in jedem Menschen Gottes Gegenwart zu entdecken und seine wahre Größe zu verstehen.
Die medaille der unbefleckten muss stets neu „entdeckt“ und „geprägt werden“
Durch die Einladung, eine Medaille nach ihrem Bild prägen zu lassen, will Maria allen ein Zeichen ihrer Botschaft der Liebe hinterlassen. Ist diese Mission der Schwester Katharina nicht auch ein persönlicher Auftrag Marias an uns, „ihr Bild immer tiefer in unser Herz einzugraben“?
Heißt „ihr Bild tief in unser Herz eingraben“ nicht, „Maria auf andere Weise zu uns zu nehmen“? Es handelt sich um dasselbe Werk der Gnade: Maria jeden Tag in unser Leben hineinnehmen, um uns mit ihr bis zur Vollendung der Liebe führen zu lassen. Das hat uns schon Jesaja über Gott gesagt: „Ich habe dich in meine Hand geschrieben“, Gott lädt auch uns ein, seine Liebe unserem Herz einzuprägen.
1531 geschah in Mexiko etwas sehr Merkwürdiges. Im Laufe einer Erscheinung unserer Lieben Frau von Guadalupe an Juan Diego prägte sich das Bild Marias in den Mantel (tilma) des Indianers ein. Als Juan Diego am 12. Dezember 1531 dem Ortsbischof sein Erlebnis erzählt, sieht dieser auf der Tilma das sehr schöne und edle Abbild unserer Lieben Frau. Bei späteren Untersuchungen der Augen Marias auf der Tilma zeigte sich, dass man in den Pupillen Marias das Bild des Sehers erkennen konnte. Beweist dieses Zeichen nicht auf wundersame Weise den Platz, den Juan Diego im Herzen Marias hatte?
Jeden Morgen hören wir die Aufforderung Marias, „ihre Medaille tief in unser Herz einzuprägen“, um unsere Berufung als Kind Gottes mit ihr zu leben. Wenn wir die Welt mit ihren Augen betrachten, wenn wir das Rufen der Menschen mit ihren Ohren hören, wenn wir unsere Brüder und Schwestern mit ihrem Herzen lieben, wird man „ihr Bild“ in unseren gütigen Augen, in der Qualität unseres Zuhörens, in der Hingabe unseres Lebens erblicken.
Schluss
Eine demütige Tochter der christlichen Liebe wurde auserwählt, Werkzeug für die Medaille der Unbefleckten zu sein. Es überrascht uns nicht, dass Gott diese junge Schwester und nicht eine andere erwählt hat, die in den Augen der Welt vielleicht besser geeignet gewesen wäre. Schwester Katharina war rein und von Herzen arm, empfänglich für die „Ereignisse Gottes“. Wie Maria war Schwester Katharina eine Magd des Herrn, eine verfügbare Dienerin und bereit, Gottes Willen zu erfüllen.
Es wäre schwer verständlich, die Medaille zu tragen, ohne sich gedrängt zu fühlen, die Reinheit des Herzens der Jungfrau Maria und der heiligen Katharina zu betrachten und sich auf den Weg der Demut und der wahren Brüderlichkeit zu begeben, wo der Geringste den ersten Platz einnimmt.
Maria, am 27. November 1830 hast du dich „Makellose“ genannt. Wir danken dir für das Geschenk der Medaille. Wir werden nie zu Ende kommen, die Höhe, die Länge und die Breite der frohen Botschaft auszuloten, nach der wir, nach deinem Wunsch, unseren Alltag gestalten sollen.