4. Den Ablass empfangen
Die Apostolische Pönitentiarie hat mit dem Dokument vom 19. Juli 2005 auf Dauer allen Gläubigen einen vollkommenen Ablass gewährt, die auf Wallfahrt in die Kapelle kommen, und zwar an folgenden Tagen und unter den folgenden Bedingungen:
Wann?
Jedesmal, wenn die Gläubigen auf Wallfahrt sind, ausgehend von der Pfarre, als kirchliche Vereinigung, als Gruppe; an allen Festtagen zu Ehren der Jungfrau Maria : 1. Januar, Fest der Mutterschaft Marias, 15. August, Aufnahme Marias in den Himmel, 8. Dezember, Fest der Unbefleckten Empfängnis Marias ; ebenso an den Festen am 27. November, Unsere Liebe Frau von der Wundertätigen Medaille, und am 28. November, Fest der heiligen Schwester Katharina Labouré ; und auch einmal im Jahr an einem frei wählbaren Datum, auch wenn man allein die Wallfahrt unternimmt.
Wie?
Um den Ablass zu empfangen, sollte man:
auf Wallfahrt sein, eine entsprechende Zeit in der Kapelle verweilen, um dort zu beten und zu betrachten, an einer gemeinschaftlichen Feier teilnehmen (Messe, Rosenkranz, Anbetung des Allerheiligsten) oder wenigstens das Tagesgebet der Sonntagsmesse beten (man findet dieses bei den Messtexten für den Sonntag) und eine Anrufung an Maria (zum Beispiel: O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen) beten. Darüber hinaus sollte man seine Sünden bereuen, zur Beichte gehen, währen der Tage der Wallfahrt die Heilige Kommunion empfangen, auf die Meinung des Heiligen Vaters beten und während des laufenden Jahres Gutes tun(einen Dienst der Nächstenliebe, der Gerechtigkeit, …).
Der Ablass wird uns bei der Kommunion während der Heiligen Messe gewährt.
Ablass, eine Hoffnung!
Um zu erklären, was ein Ablass ist, greifen wir zu einem Beispiel.
Ich habe über jemanden Böses geredet (üble Nachrede, Verleumdung). Ich habe also Böses getan. Das ist Sünde.
Die Sünde hat verschiedene Folgen. Erste Folge: sie trennt uns von Gott. Die schwere Sünde kann uns sogar völlig, für immer von Gott entfernen! Eine zweite Folge: die Sünde verletzt mich selber. Ich bin nicht mehr frei. Meine Beziehungen zu den anderen sind aus dem Gleichgewicht … Eifersucht … Reich sein wollen … Macht (Beherrschung) … auch im Bereich der Affektivität(Sexualität). Es gelingt mir nicht, Gutes zu tun, wenn ich es auch wollte, ich tue Schlechtes, was ich nicht will. Eine dritte Folge: die Sünde verletzt die anderen. Böse Worte etwa zerstören den Ruf des anderen. Noch schlimmer, man wird das, was ich gesagt habe, weitersagen. So breitet sich das Übel aus, es wird größer, intensiver. Das Böse, das ich getan habe, wird ein Teil allen Übels, das in dieser Welt geschieht.
Was tun?
Zuerst die Beichte. Durch das Bekenntnis meiner Sünden vor einem Priester werden mir diese vergeben. Ich bin nicht mehr von Gott getrennt (Kommunion). Die erste Folge der Sünde wird gelöscht. Es bleiben aber die zweite und die dritte Folge bestehen.
Darum gewährt die Kirche an den Wallfahrtsorten oder aus Anlass eines Jubiläums oder an Festtagen das Gewinnen eines Ablasses. Wir haben ja für das Entfernen der zweiten und dritten Folge eine Reinigung nötig. Die Kirche sagt, dass wir dies hier auf Erden tun können durch den Empfang des Ablasses oder nach dem Tod im Fegefeuer. Einen Ablass empfangen heißt das Gegenteil von Sünde tun. Es ist eine gute Tat, die an allen guten Taten teilhat, die auf dieser Welt getan werden. Wir sind in Verbindung mit den Heiligen des Himmels. Das Gute breitet sich bis zu den anderen aus, es wird größer und stärker als das Böse.
Wer kann einen Ablass empfangen?
Ich selber, wenn ich getauft bin, oder ich kann einem verstorbenen Gläubigen helfen, der vielleicht noch der Reinigung bedarf (Fegefeuer). Man kann ihn auch für einen lieben Menschen empfangen (Großmutter, Großvater, Verwandte, …), für einen Freund, auch für einen Feind, für wen immer uns die Liebe Christi ermuntert!
Bertrand PONSARD c.m.
Seelsorger der Kapelle